Filmretrospektive Michael Raeburn

Do 23 – So 26 Feb 2012

retrospektive In
:
Filmmuseum München & Kulturzentrum am Gasteig



Gespräch mit
Michael Raeburn:

(Vortrags-saal Bibliothek 1.OG)
Idee, Konzept, Organisation: Andreas Wutz

Veranstalter:
Filmmuseum München
(23. Februar 2012);
Andreas Wutz
(24.–26. Februar 2012)

Gefördert durch:
Kulturreferat der Landeshauptstadt München

Michael Raeburn

Geboren 1948 in Kairo und aufgewachsen in Harare, Zimbabwe zählt Michael Raeburn zu den vielseitigsten und bekanntesten Filmschaffenden Zimbabwes, der wie viele seiner Kollegen in der langen und wechselvollen Geschichte des Landes dieses immer wieder verlassen mußte und in der Diaspora lebt.

Raeburns Werk umfasst sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilme, die durch die Schilderung mikrosozialer oder mikroökonomischer Umbrüche die großen Veränderungen in den postkolonialen Gesellschaften Afrikas oder auch generell in der sogenannten Dritten Welt untersuchen. Sehr früh, noch als Student setzt sich Raeburn in seinem ersten Film „Rhodesia Countdown“ mit dem Apartheid-System des damaligen Rhodesiens unter Ian Smith kritisch auseinander, opponiert öffentlich und muss daraufhin 1969 das erste Mal das Land verlassen. In Paris und London kann er sein Studium und seine politische Filmarbeit fortsetzen, wird Mitglied des legendären „Berwick Street Film Collective“, lernt den Schriftsteller und Bürgerrechtler James Baldwin kennen, der schließlich das Vorwort zu Raeburns erstem Buch verfasst. Es erscheint 1978 unter dem Titel „Black Fire“ und gibt gestützt auf Interviews mit Befreiungskämpfern einen Einblick in die Wirklichkeit und Hintergründe des zimbabwischen Befreiungskrieges, der erst ein Jahr darauf, nach 15 Jahren zu Ende geht. 1980, mit der Gründung des neuen Staates Zimbabwe, kehrt Michael Raeburn zurück in ein Land, das nun als Vorzeigestaat eines modernen Afrikas gilt. Mit seinem Spielfilm „The Grass is Singing“ (1981) dokumentiert Raeburn noch einmal die schwere Last der kolonialen Vergangenheit namens 'Rhodesien' und mit dem Spielfilm „Jit“ (1991) die Euphorie und Aufbruchstimmung der ersten zimbabwischen Dekade. Mitte der neunziger Jahre jedoch verändert sich die Situation im Land abermals. Zimbabwe erlebt eine schwere wirtschaftliche Krise, in deren Folge alte historische und politische Wunden wieder aufbrechen, staatliche Repression nimmt zu. Alarmiert dadurch dreht Raeburn seinen Dokumentar­film "Zimbabwe Countdown" (2003) – und verlässt das Land besser ein zweites Mal.

Michael Raeburn (Foto: David Ignaszewski)

Auch die Projekte, die Raeburn daraufhin in der Diaspora realisiert, verfolgen seine politisch-sozialen Interessen weiter und versuchen eine Gegenperspektive zu der des Eurozentrismus aufzubauen. Dokumentarfilme in anderen afrikanischen Ländern, aber auch in Europa entstehen, Features und Kurzhörspiele für den Rundfunk, bis 2008 sein Spielfilm „Triomf“ erscheint, eine entblößende, aber nicht herzlose Satire über eine Familie während des Übergangs eines Apartheid- zu einem Postapartheid-Staat. „Triomf“ wurde in Johannesburg, Südafrika gedreht, ist aber ebenso gut in Harare, Zimbabwe vorstellbar.

2011, nach erneutem Wandel der politischen Situation durch die sogenannte Einheitsregierung, gebildet aus Robert Mugabe und seinem politischen Gegner Morgan Tsvangirai, reist Michael Raeburn wieder zurück nach Zimbabwe, Pläne für ein neues Filmprojekt im Gepäck.














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